Das Prinzip Fehrenz

Das Prinzip Fehrenz

Du erlebst nicht einfach deine Realität. Nein, du selbst bist an ihrer Entstehung beteiligt.

Das Prinzip Fehrenz beschreibt die Mechanismen, durch die aus Bewusstsein eine wahrnehmbare und schließlich erfahrbare Realität entsteht. Es zeigt, weshalb der Mensch nicht nur auf eine bereits vorhandene Welt reagiert, sondern durch seine Wahrnehmung, seine geistige Ausrichtung, seine inneren Zustände und seine daraus entstehenden Handlungen fortwährend an seiner Wirklichkeit mitwirkt. Und zwar nicht nur in besonderen Momenten oder vereinzelten Situationen. Nein, immer. Permanent.

Der Ursprung

Realität ist das Ergebnis
einer Abfolge

Der Mensch betrachtet seine Realität gewöhnlich von ihrem Ende her. Er sieht beispielsweise seinen Körper, seine Beziehungen, seine wirtschaftliche Situation, die jetzt für ihn vorhanden ist. All das erscheint ihm als Realität. Doch das Sichtbare (was ich zuvor Ende nannte) ist nicht der Anfang. Es ist das Ergebnis einer Abfolge von Dingen, die lange vorher begonnen hat.

Bevor eine Handlung ausgeführt wird, existiert eine geistige Bewegung. Bevor eine Wahl getroffen wird, wirkt eine innere Ausrichtung. Bevor etwas als möglich oder unmöglich erscheint, wurde es durch Analyse, Erfahrung, Erinnerung und Bewertung eingeordnet.

Der Mensch begegnet der Welt deshalb niemals vollkommen neutral. Er begegnet ihr durch eine innere Architektur, die darüber entscheidet,

Das Prinzip Fehrenz setzt nicht erst bei den sichtbaren Ergebnissen an. Es führt zurück zu den Mechanismen, aus denen diese Ergebnisse hervorgegangen sind.

Die Wahrnehmung

Du siehst nicht, was ist. Du siehst, was Du zu sehen gelernt hast.

Wahrnehmung wird häufig mit Wirklichkeit verwechselt. Der Mensch glaubt, er nehme die Welt so wahr, wie sie tatsächlich ist. Doch er nimmt immer nur einen Ausschnitt wahr – gefiltert durch seine Sinne, seine Aufmerksamkeit, seine Erfahrungen und die Bedeutungen, die er diesen Erfahrungen gegeben hat. Was nicht in sein bestehendes inneres Modell passt, wird häufig übersehen, abgewertet oder als unmöglich ausgeschlossen.

So entsteht ein Kreislauf:

Der Mensch erwartet, was er bereits kennt. Er erkennt bevorzugt, was seine Erwartung bestätigt. Daraufhin handelt er entsprechend seiner bisherigen Überzeugung und erzeugt Ergebnisse, die ihm scheinbar beweisen, dass seine Überzeugung richtig war. Er nennt das dann Realität. Tatsächlich erlebt er jedoch oftmals nur die fortgesetzte Wirkung seiner Vergangenheit.

Ablenkung bedeutet nicht nur, sich mit unwichtigen Dingen zu beschäftigen. Ablenkung bedeutet, dass die Aufmerksamkeit dauerhaft an äußere Reize gebunden ist und der Mensch dadurch den Zugang zu den eigenen inneren Vorgängen verliert. Er verarbeitet Nachrichten, Meinungen, Erwartungen, Konflikte und Informationen. Er reagiert auf das, was andere Menschen sagen, anbieten, zeigen oder von ihm verlangen. Dabei bemerkt er häufig nicht mehr, welche Gedanken er wiederholt, welche Gefühle er dadurch aufrechterhält und aus welchem Zustand heraus er handelt. Seine Aufmerksamkeit ist ständig aktiv – aber kaum noch bewusst geführt. Wer seine Aufmerksamkeit nicht selbst ausrichtet, stellt sie den stärksten äußeren Reizen zur Verfügung.

Dadurch wird der Mensch beeinflussbar. Nicht allein, weil Äußeres Macht über ihn hätte, sondern weil er nicht erkennt, was in seinem eigenen geistigen Korridor geschieht. Das Prinzip Fehrenz führt die Aufmerksamkeit deshalb vom äußeren Geschehen zurück zu dessen innerer Verarbeitung. Nicht, um die Welt auszublenden, sondern um wieder wählen zu können, welche Welt im Inneren weitergeführt wird.

Die Vergangenheit existiert nicht als gegenwärtiges Ereignis. Sie existiert als Erinnerung, Bedeutung, körperlich erlebte Reaktion und innere Schlussfolgerung. Nicht das vergangene Geschehen allein bestimmt den Menschen. Entscheidend ist, was er weiterhin von diesem Geschehen in sich wirksam macht.
 Eine Erfahrung kann längst vorüber sein und dennoch jeden neuen Augenblick beeinflussen. Der Mensch reagiert dann nicht nur auf das, was gerade geschieht. Er reagiert zugleich auf das, was er erwartet, befürchtet oder bereits erlebt zu haben glaubt. Damit wird Vergangenheit zu einer geistigen Vorlage für Zukunft.

Der Mensch reproduziert vertraute Gefühle, trifft vertraute Entscheidungen und erzeugt vertraute Resultate. Anschließend betrachtet er diese Resultate als Bestätigung dafür, dass Veränderung kaum oder gar nicht möglich sei. Doch die Vergangenheit besitzt keine eigene Macht. Ihre Macht entsteht dadurch, dass sie in der Gegenwart wiederholt wird.

Die Architektur

Das Prinzip Fehrenz ordnet die Entstehung menschlicher Realität innerhalb einer Trinität:

Es ist die wahrnehmende Instanz, durch die das Leben überhaupt erst möglich wird. Bewusstsein ist nicht mit einem einzelnen Gedanken gleichzusetzen. Es ist das, was Gedanken, Empfindungen und Zustände wahrnehmen kann.

Im Geist entstehen Bedeutung, Vorstellung, Richtung und innere Ordnung. Hier wird aus unbestimmter Möglichkeit eine konkrete Information. Der Geist bildet den Korridor zwischen Ursprung und Ausdruck.

Sie umfasst den Körper, die Handlung und die daraus hervorgehenden Resultate. In ihr wird sichtbar, was zuvor als innere Richtung wirksam geworden ist. Diese drei Bereiche sind nicht voneinander getrennt. Sie stehen in fortwährender Wechselwirkung: Bewusstsein nimmt wahr und stellt alles zur Verfügung.

Der Geist gibt Richtung und macht Steuerung möglich.
Der Körper setzt um und bringt zum Ausdruck.
Das Ergebnis wird erfahren.
Die Erfahrung beeinflusst wiederum den Geist.

Solange dieser Kreislauf unbewusst abläuft, wiederholt der Mensch überwiegend das bereits Bekannte. Wird er erkannt, kann an die Stelle automatischerWiederholung eine bewusste Ausrichtung treten.

Diese drei Bereiche sind nicht voneinander getrennt. Sie stehen in fortwährender Wechselwirkung:

Solange dieser Kreislauf unbewusst abläuft, wiederholt der Mensch überwiegend das bereits Bekannte. Wird er erkannt, kann an die Stelle automatischer Wiederholung eine bewusste Ausrichtung treten.

Etwas zu verstehen, bedeutet noch nicht, es zu können.
Der Mensch kann alle Mechanismen der Realität intellektuell nachvollziehen und dennoch dieselben Gedanken wiederholen, dieselben Entscheidungen treffen und dieselben Ergebnisse erzeugen. Wissen wird erst dann wirksam, wenn es im Körper ankommt. Das Prinzip Fehrenz bleibt deshalb nicht bei Erklärung stehen. Es führt von Erkenntnis zu Beobachtung, von Beobachtung zu bewusster Ausrichtung und von Ausrichtung zu einer neuen Form des Handelns.

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